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b*nature · Vorfahrt für den Igel

Igelwissen

Lebensweise, Nahrung und Jahreszyklus – und woran du erkennst, dass ein Igel möglicherweise Hilfe braucht.

Steckbrief: der Igel

Der in Südtirol verbreitete Igel ist der Braunbrustigel (Erinaceus europaeus). So ist er gebaut – und darauf verlässt er sich bei seinen nächtlichen Streifzügen.

Gezeichneter Igel, das Maskottchen des Projekts, mit nummerierten Markierungen an Nase, Auge, Ohr, Stacheln und Beinen.
  1. Feine Nase

    Der Geruchssinn ist sein wichtigster Sinn. Damit findet er Käfer, Raupen und Regenwürmer auch im Dunkeln.

  2. Kleine Augen

    Igel sehen eher schlecht. In der Dämmerung und nachts verlassen sie sich vor allem auf Nase und Ohren.

  3. Gutes Gehör

    Igel hören sehr gut, auch hohe Töne, die für uns Menschen nicht hörbar sind.

  4. Stachelkleid

    Die Stacheln sind umgebildete Haare. Bei Gefahr rollt sich der Igel zusammen und stellt sie auf.

  5. Ausdauernde Beine

    Auf der Suche nach Nahrung und Partnern legen Igel pro Nacht oft mehrere hundert Meter bis einige Kilometer zurück.

Körperlänge
20–30 cm
etwa so lang wie ein Schullineal
Gewicht erwachsener Tiere
800–1500 g
etwa so schwer wie eine Packung Mehl
Stacheln
6000–8000
jeder etwa 2–3 cm lang

Durchschnittswerte; einzelne Tiere weichen davon ab.

Ein Jahr im Igelleben

Das Igeljahr ist ein Kreislauf, der im Uhrzeigersinn mit dem Jänner oben beginnt. Kräftig gefärbte Abschnitte zeigen die typische Zeit einer Phase, schwach gefärbte die Monate, in denen sie je nach Jahr und Höhenlage beginnen oder enden kann.

Ringe von innen nach außen

  1. Winterschlafetwa November bis März
  2. Aktiv und auf Nahrungssucheetwa April bis Oktober
  3. Paarungszeitetwa April bis August
  4. Jungenaufzuchtmeist Juni bis September
  5. Reserven für den Winter anlegenetwa September bis Oktober
typische Zeitje nach Jahr und Höhenlage

Im Winterschlaf verliert ein Igel 15 bis 40 Prozent seines Körpergewichts. Deshalb muss er sich im Herbst genug Reserven anfressen.

Richtwerte für Mitteleuropa. In Südtirol hängen die Zeiten stark von Höhenlage und Witterung ab; in höheren Lagen beginnt der Winterschlaf meist früher und endet später.

Nachts auf Nahrungssuche

Igel sind vor allem in der Dämmerung und nachts unterwegs. Sie suchen kleine Beutetiere und brauchen Wege zwischen ihrem Jagdlebensraum und ihren Verstecken. Geschlossene Zäune, Mauern, Treppen und ähnliche Hindernisse können diese Wege unterbrechen.

Lebensraum mit vielen Verstecken

Hecken, naturnahe Gärten und strukturreiche Grünflächen bieten Nahrung und Deckung. Ruhige Laub- und Asthaufen dienen als Rückzugsorte. Ein einzelner Garten reicht oft nicht aus: Verbindungen zu benachbarten Flächen sind wichtig.

Was Igel fressen

Igel ernähren sich vor allem von wirbellosen Tieren. Ein vielfältiger Garten fördert ihre natürliche Nahrung. Milch ist ungeeignet; dauerhaftes Zufüttern ersetzt keinen intakten Lebensraum.

Ein Jahr im Igelleben

Nach dem Winterschlaf beginnt wieder die Nahrungssuche. In der warmen Jahreszeit folgen Fortpflanzung und Jungenaufzucht; vor dem Winter werden Reserven aufgebaut. Zeitpunkt und Dauer des Winterschlafs hängen von Witterung und örtlichen Bedingungen ab. Nester möglichst ungestört lassen.

Nachwuchs

Nach etwa fünf Wochen Tragzeit bringt die Igelin meist vier bis fünf Junge zur Welt, manchmal nur zwei, selten bis zu sieben. In der Regel gibt es einen Wurf im Jahr. In warmen Jahren folgt gelegentlich ein zweiter, später Wurf; diese Jungtiere haben es schwer, bis zum Winter genug Gewicht zu erreichen. Mit etwa drei bis vier Wochen verlassen die Jungen erstmals das Nest, mit rund sechs Wochen sind sie selbständig.

Lebenserwartung und natürliche Feinde

In freier Natur werden Igel meist nur zwei bis vier Jahre alt, einzelne Tiere auch sieben Jahre und älter. Viele Jungtiere überleben ihren ersten Winter nicht. Zu den natürlichen Feinden zählen vor allem Dachs und Uhu, Jungtiere werden auch von Füchsen erbeutet. Weit mehr Igel sterben jedoch im Straßenverkehr, durch Mähgeräte und durch den Verlust ihrer Lebensräume.

Beobachten, ohne zu stören

Halte Abstand und leuchte Tiere nicht dauerhaft an. Öffne keine Nester für ein Foto. Ein Foto einer zufälligen Begegnung und Angaben zu Zeitpunkt und Lebensraum können eine Beobachtungsmeldung ergänzen.

Wusstest du?

Gesunder oder hilfsbedürftiger Igel?

Beobachte aus Abstand. Einzelne Merkmale erlauben keine sichere Diagnose; bei Warnzeichen eine Igelstation oder eine igelkundige Tierarztpraxis kontaktieren.

Unauffällig unterwegs

  • In der Dämmerung oder nachts aktiv.
  • Aufmerksam, mit sicherem Gang und ohne erkennbare Verletzung.

Warnzeichen: Hilfe holen

  • Wunden, taumelnder Gang oder deutliche Schwäche.
  • Stark abgemagerter Körper oder eingefallene Augen.
  • Fliegeneier oder Maden am Tier.
  • Sehr kleine Igelbabys außerhalb des Nestes.

Tagsüber unterwegs? Das ist ein Anlass, genauer hinzusehen. Ein aufgestörter Igel oder eine säugende Mutter kann auch tagsüber das Versteck wechseln. Ein apathisches oder verletztes Tier braucht Hilfe.

Auf die Körperform achten

Von oben betrachtet verrät die Körperform viel über den Zustand eines Igels. Ein gut genährter Igel ist vorne schmal und hinten breit und rund. Bei einem abgemagerten Igel verlaufen die Seiten fast gerade, die Flanken sind eingefallen und der Kopf setzt sich deutlich vom Körper ab.

Gut genährt · birnenförmig

vorne schmal, hinten breit und rund

Abgemagert · wurstförmig

gerade Seiten, eingefallene Flanken, Kopf deutlich abgesetzt

Ansicht von obenDie Körperform ist ein Hinweis, keine Diagnose. Bei Zweifeln fachkundige Hilfe einholen.

Diese Merkmale dienen zur Orientierung und sind keine Diagnose. Bei Unsicherheit fachkundige Hilfe einholen. Die wissenschaftliche Meldung ist freiwillig und ersetzt keine Versorgung.

Den Garten igelfreundlich gestalten

Fachwissen zum Weiterlesen

Weiterführendes Fachwissen zu Lebensraum, Durchgängen und Warnzeichen. Die Quellen ersetzen keine Untersuchung des Tieres.